Pharma

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Mit Hilfe der pharmazeutischen Industrie sind heute viele Krankheiten heilbar und führen nicht hoffnungslos zum Tode. Die pharmazeutische Industrie handelt mit einer hohen Forschungsintensität. In den Pharmaunternehmen und Universitäten wird gezielt nach neuen Wirkstoffen, Wirkstoffkombinationen und Anwendungsgebieten für bereits existierende Medikamente und die Entwicklung neuer Erzeugnisse geforscht. Es dauert durchschnittlich zwölf Jahren, bis ein neues Medikament nach diversen klinischen Tests und Studien von Arzneimittelbehörden für die Vermarktung zugelassen wird. Die „Rote Liste", das berühmteste und umfassende Arzneimittelverzeichnis in Deutschland, nennt in seiner aktuellen Ausgabe 8.764 Präparate. Jedoch werden viele davon selten genutzt. Wenn man Faktoren wie Wirkungsstärke oder Dosierung berücksichtigt erhöht sich die oben genannte Zahl auf mehr als 40.000. Neben Originalpräparaten existieren so genannte Generika, d.h. Medikamente, die eine wirkstoffgleiche Reproduktion eines bereits unter einem Markennamen auf dem Markt existierenden Arzneimittels sind. Generika können sich von Originalpräparaten aufgrund anderer Hilfsstoffen und Produktionstechnologien differenzieren.

 

Branchenstruktur

Laut Daten des Statistischen Bundesamtes sind in Deutschland rund 1.031 pharmazeutische Unternehmen gemeldet. Hierbei handelt sich sowohl um mittelständische oder eigentümergeführte Unternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten, als auch um deutsche Niederlassungen von multinationalen Konzernen. Zudem müssen auch Unternehmen mit biotechnologischen Verfahren berücksichtigen werden. Solche Unternehmen sind überwiegend in der Entwicklung und Produktion von Arzneimittel und Diagnostika tätig und sind zum Teil in den genannten 1.031 Unternehmen aufgefasst. Etwa 90 Prozent der Hersteller von Arzneimitteln in Deutschland beschäftigen weniger als 500 Mitarbeiter.

 

Produktion

Die Pharmaindustrie in Deutschland produzierte im Jahr 2007 pharmazeutische Erzeugnisse im Wert von 26,2 Milliarden Euro. Die Produktion ist somit um 10,6 Prozent im Vergleich zum Jahr 2006 gewachsen. Die Produktion im Inland ist stark von den Preisen, den Arzneimittelimporten und der Exportnachfrage abhängig.

 

Beschäftigung

Die Pharmaindustrie beschäftigte im Jahr 2007 rund 127.036 Personen in Betrieben, die pharmazeutische Erzeugnisse herstellen. Die Zahl der Beschäftigten ist im Vergleich zum Jahr 2006 um 2,3 Prozent gewachsen.

 

Export & Import

Die Pharmaindustrie hat im Jahr 2007 Pharmazeutika im Wert von 41,7 Milliarden Euro exportiert. In Vergleich zum Vorjahr entspricht diese Zahl einem Zuwachs von 14,5 Prozent. Gleichzeitig sind pharmazeutische Erzeugnisse im Wert von 32,6 Milliarden Euro in Deutschland eingeführt worden. Dies entspricht einem Anstieg von 14,9 Prozent gegenüber 2006. Der Hauptlieferant von pharmazeutischen Erzeugnissen nach Deutschland ist Irland, es folgen USA, Schweiz, Frankreich, Großbritannien, Niederlanden und Italien.

 

Forschung & Entwicklung

Die deutsche pharmazeutische Industrie ist mit einem Anteil der F & E-Aufwendungen am Umsatz von rund 18,5 Prozent die forschungsintensivste Branche. Seit Jahren werden Milliarden von Euro Aufwendungen im Bereich F & E ausgegeben. Im Jahr 2007 sind rund 5,7 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investiert worden. Dies entspricht einem deutlichen Anstieg um 5,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (5,4 Milliarden). Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung in der  pharmazeutischen Industrie entsprechen mittlerweile 10,5 Prozent der gesamten Aufwendungen für Forschung und Entwicklung in der deutschen Wirtschaft und liegen in absoluten Zahlen auf vierter Stelle hinter der Automobil-, Elektronik- und Chemieindustrie. Global betrachtet werden solche Zahlen sogar übertroffen, denn mit 44,2 Milliarden Euro bzw. 27 Prozent tragen pharmazeutische Unternehmen den größten Teil der Aufwendungen für F & E der 50 forschungsintensivsten Unternehmen weltweit.
Als forschungsintensivste Branche sichert die Pharmaindustrie zukunftsfähige Arbeitsplätze. Die Entwicklung der Aufwendungen für F & E  zwischen 2004 und 2006 bildet die Beschäftigungsentwicklung ab: Im Jahr 2006 ist die Zahl der Beschäftigten in der Forschung und Entwicklung auf 18.795 von 17.998 im Jahr 2005 gestiegen.

 

Innovation als treibende Kraft

Innovation ist der treibende Motor für die erfolgreiche Entwicklung von pharmazeutischen Unternehmen. Neue Wirkstoffe, Darreichungsformen oder innovative Produktionsverfahren ermöglichen eine aussichtsreiche Entwicklung von bereits existierenden und neu gegründeten Unternehmen, die in Deutschland durch Forschung, Entwicklung und Produktion die Beschäftigung sicherstellen. Das Ziel von Forschung und Entwicklung in der Pharmaindustrie ist, die Erweiterung, Verbesserung und die Schließung vorhandener Lücken bezüglich Möglichkeiten zur Diagnose, zur kausalen oder symptomatischen Therapie und der Prävention von Krankheiten. In der Pharmaindustrie werden Innovationen in vielen Bereichen ausgearbeitet.

 

Patente

Im Jahr 2007 sind in Deutschland 11.499 Patentanmeldungen zu Arzneimitteln veröffentlicht worden. Im Vergleich zum Vorjahr ergibt sich daraus ein Anstieg um 5,3 Prozent. Der Anteil der deutschen Patentanmelder an der Gesamtzahl beläuft sich auf 17 Prozent. Der wichtigste Patentanmelder ist weiterhin die USA. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland auf dem zweiten Platz.

 

Weltmarkt

Im Jahr 2007 belief sich der Umsatz mit Arzneimitteln in der gesamten Welt auf 713,2 Milliarden US-Dollar, dies entsprach etwa 9,9 Proent im Vergleich zum Jahresniveau 2006. 82 Prozent des weltweiten Gesamtumsatzes wird von Nordamerika, Europa und Japan generiert. Der Umsatz von Nordamerika ist um 4,5 Prozent auf 304,5 Millionen US-Dollar gewachsen. Dies entsprach mit 43 Prozent beinahe der Hälfte des gesamten Pharmamarktumsatzes im Jahre 2007. In Europa ist der Markt mit Arzneimitteln um 15,9 Prozent auf 213,1 Milliarden US-Dollar angestiegen. In Lateinamerika ist der Umsatz im Jahr 2007 um 17,4 Prozent auf 42,6 Milliarden US-Dollar gestiegen. Dies bedeutet eine deutliche Verbesserung, wenn man bedenkt, dass im Jahr 2002 der Umsatz noch bei 21,1 Milliarden US-Dollar lag.

Der Gesundheitsmarkt ist generell ein Wachstumsmarkt mit außergewöhnlichem Beschäftigungspotential. Denn zahlreiche Krankheiten sind bis heute immer noch nicht therapierbar, die Lebenserwartung der Menschen sind gestiegen, die Konsuminteressen der Menschen haben sich verändert und es wird gezielt mehr Lebensqualität angestrebt. Augrund solcher Faktoren erhöht sich die Nachfrage nach gesundheitsbezogenen Leistungen und Erzeugnissen. Zudem hat der medizinische und pharmazeutische Fortschritt, insbesondere in der Molekular- und Zellbiologie, grundlegend neue Innovationsanreize geschafft. Des Weiteren lässt sich zunehmend feststellen, dass in der Diagnostik und Therapie von Krankheiten ein Trend der Individualisierung erkennbar wird.

 

Perspektiven

Im Verlauf der letzten Jahre haben die Interventionen der Gesundheitspolitik in dem Markt der Arzneimittel verstärkt zugenommen. Seit nun fast 20 Jahren wird der Arzneimittelmarkt mit fast jährlichen neuen Gesetzesänderungen konfrontiert. Dies fordert immer wieder eine neue Einstellung der pharmazeutischen  Unternehmen. Durch das neue Gesetz im Jahr 2007 wird in Deutschland eine Gesundheitspolitik fortgesetzt, die die Industrieunternehmen und Dienstleister des Gesundheitsmarkts beeinträchtigt. Es besteht die Gefahr,  Transparenz und Planungssicherheit zunehmend aufs Spiel zu setzen und den Konzentrationsprozess der Pharmaindustrie weiter zu verschärfen. Vor allem kleine und mittelständische Pharmaunternehmen sind bedroht, besonders benachteiligt zu werden. Während in anderen Wirtschaftsbereichen mühsam versucht wird, die Bildung eines Oligopols abzuschaffen, befördert die Politik im Gesundheitswesen oligopole Strukturen. Zudem ist das Gesamtsystem dermaßen komplex geworden, dass die Auswirkungen, die Eingriffe des Gesetzgebers im Einzelnen bewirken nicht mehr erkennbar sind.

Die Rückführung des Zwangsabschlags für pharmazeutische Industrie von 16 Prozent auf 6 Prozent zu Beginn des Jahres 2005 wurde von Seiten der Industrie befürwortet, denn durch den Zwangsabschlag ergaben sich für die Pharmaindustrie in Deutschland und die Beschäftigung negative Auswirkungen. Der Zwangsabschlag in Höhe von 16 Prozent ist nachträglich zum Teil mit dem AVWG, dem Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz,  wieder auf diese Weise eingeführt worden. Grundsätzlich gibt es für Arzneimittel, die nicht durch einen Festbetrag geregelt sind, ein Zwangsabschlag auf den Abgabepreis des Herstellers von 6 Prozent. Durch das AVWG-Gesetz muss zudem ein Zwangsabschlag von 10 Prozent auf patentfreie und wirkstoffgleiche Arzneimittel entrichtet werden. Abseits des Festbetragsmarkts entsteht mitunter wieder ein kumulativer Abschlag von im Ganzen 16 Prozent. Pharmaunternehmen können 10 Prozent des Abschlags durch die Preissenkung von geringstenfalls 30 Prozent unterhalb des Festbetrags vermeiden, wenn ihre Erzeugnisse Teil des Festbetragssystems sind.
Generell muss unterstrichen werden, dass den Arzneimittelbereich lediglich aus reinen Kostenfaktoren betrachtet, den großen Beitrag der Pharmaindustrie in Hinblick auf die Therapie von Krankheiten, die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland und die Wettbewerbsfähigkeit stark unterbewertet.

 

Wachstumspotential in innovativen Therapien

In der Pharmaindustrie rechnet man in Zukunft mit einem Wachstumspotential in den  neuartigen Therapien der Biomedizin, Genmedizin und Gewebemedizin. Durch die Einführung eines Wahltarifs für besondere Therapierichtungen haben Erkrankte Wahlmöglichkeiten in den Therapiebereichen Homöopathie, Anthroposophie und Phytotherapie. Mehr als 100 Pharmaunternehmen stellen in Deutschland anthroposophische und homöopathische Arzneimittel her. Die Bedeutung solcher Unternehmen als gewichtiger Wirtschaftsfaktor nimmt konstant zu. Zahlreiche Unternehmen sind weltweit auch in der Arzneimittelforschung tätig. Im Bereich der Arzneimittel der homöopathischen und anthroposophischen Medizin ist Deutschland Marktführer. Über 100 Millionen Menschen, mehr als 120.000 Ärzte und Therapeuten bauen in der Europäischen Union auf der homöopathischen und anthroposophischen Medizin. Nur in Deutschland gibt es rund 60.000 Ärzte, die sowohl homöopathische als auch anthroposophische Arzneimittel regelmäßig verschreiben. Die Homöopathie ist weltweit ein Begriff vor allem in den USA, Mittel- und Südamerika aber auch Asien, Indien und Südafrika. Die anthroposophische Medizin ist außerhalb Europas, insbesondere in Nordamerika, Südamerika, Australien und Neuseeland allgemein verbreitet.

(Quelle: Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie, www.bpi.de)

 

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