Medizintechnik

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Medizintechnologien sind für die Gesundheit und die Lebensqualität der Menschen unentbehrlich. Medizintechnologien bzw. Medizinprodukte umfassen sowohl Pflaster, Verbandmittel, Spritzen und Kanülen als auch Implantate oder medizintechnische Geräte. Ihre Funktion liegt in der Rettung von Menschenleben. Sie tragen zu Heilungsprozessen bei und sorgen dafür, dass Millionen von Patienten in Deutschland ihre Lebenskraft und Mobilität wieder erlagen. Medizintechnologien spielen in allen Bereichen des Gesundheitswesens eine bedeutende Rolle, u.a. in der Prävention, Diagnostik, Therapie und Rehabilitation. Medizintechnologien und Medizinprodukte begleiten den Menschen durch all seine Lebensphasen und helfen bei den unterschiedlichsten Krankheiten.

 

Rasante medizintechnologische Entwicklung

Die Medizintechnik hat sich in den letzten Jahrzehnten des  20. Jahrhunderts äußerst rasant entwickelt. Der Standard in der medizintechnischen Versorgung ist durch Kunststoffeinmalprodukte, künstlicher Gelenkersatz, Schrittmachertechnologien und minimal-invasive Verfahren deutlich gestiegen. Der Fortschritt wird noch dynamischer werden. Denn in der Medizin entsteht eine Fülle von neuen Technologien wie z.B. das Tissue Engineering, die Entwicklung von neuen „intelligenten“ Materialien, die Integration von telemedizinischen Anwendungen in Behandlungsmethoden der Medizintechnologie, minimalinvasive Operationstechniken und die Nanotechnologie. Solche Technologien werden immer weiter integriert. Dadurch ergeben sich hochentwickelte Therapien.

Moderne und innovative Medizintechnologien sind der Treiber der Gesundheitswirtschaft. Doch die Medizintechnik braucht, so wie andere Bereiche des Gesundheitswesens, eine neue Gesundheitswirtschaft mit mehr wettbewerblichen Elementen, Wahlfreiheiten und Eigenverantwortung der Versicherten. Die Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung müssen verbessert werden. Im Allgemeinen ist ein innovationsfreundlicheres Klima erforderlich, um moderne Behandlungsmethoden und Verfahren der Medizintechnologie zügiger beim Patienten ankommen zu lassen. Somit kann man Menschenleben retten, die Gesundheit der Menschen erhalten und letzten Endes die Lebensqualität von Menschen verbessern.

 

Wachstummarkt

Die Medizintechnologiebranche ist weltweit ein Wachstumsmarkt. Aufgrund des medizintechnischen Fortschrittes, der demographischen Entwicklung und eines neuen bzw. erweiterten Gesundheitsverständnisses wird dies auch in Zukunft so bleiben. Der Bedarf an Gesundheitsleistungen wird weiter zunehmen, denn u.a. steigt die Bereitschaft der Patienten, mehr Geld für ihre Gesundheit auszugeben. Die Medizintechnologie ist ein einflussreicher Wirtschafts- und Arbeitsmarktfaktor. Die Unternehmen der Medizintechnologie leisten einen bedeutenden Beitrag für eine positive Entwicklung der deutschen Gesundheitswirtschaft. Die Branche kann seit 1995 hohe Wachstumsraten in der Höhe von  sechs Prozent verzeichnen. Die durchschnittlichen Wachstumsraten liegen im sonstigen deutschen industriellen Bereich bei 2 Prozent.

 

Unternehmen und Beschäftigung

Die Branche der Medizintechnik ist von klein- und mittelständisch Unternehmen geprägt. Insgesamt umfasst die Branche 11.200 Unternehmen, die rund 165.000 Mitarbeiter beschäftigen. Davon beschäftigen etwa 1.250 Unternehmen mehr als 20 Mitarbeiter. Es ist anzunehmen, dass eine ähnliche Anzahl von Arbeitsplätzen in der Zulieferindustrie unmittelbar von der Industrie der Medizinprodukte abhängt. Etwa 15 Prozent der Beschäftigten bzw. über 24.000 Mitarbeiter sind im Bereich Forschung und Entwicklung tätig. Nach einer aktuellen Mitgliederbefragung des Bundesverbandes Medizintechnologie e.V. haben rund 55 Prozent der Unternehmen im Jahr 2007 neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Medizintechnik-Branche bleibt weiterhin ein Jobmotor.

 

Innovationskraft

Die Medizintechnik-Branche verfügt über eine hohe Innovationskraft: Die Investitionen in Forschung und Entwicklung sind mit sieben Prozent des Umsatzes etwa doppelt so hoch wie im industriellen Durchschnitt. Über die die Hälfte des Umsatzes erwirtschaften die Unternehmen mit Produkten, die nicht älter als 3 Jahre sind. Der Forschungsstandort Deutschland ist somit für die Unternehmen der Medizintechnologie besonders wichtig. Ein weiterer Beweis für die Innovationskraft der Branche ist die Liste der angemeldeten Erfindungen mit 15.700 Patenten. Etwa 11,4 Prozent der Patentanmeldungen stammen aus dem MedTech-Bereich, gefolgt von Patentanmeldungen der elektronischen Nachrichtentechnik mit 10 Prozent und der EDV mit 6,7 Prozent.

 

Umsatz und Weltmarkt

Nach dem Jahresbericht 2007/2008 des Bundesverbandes Medizintechnologie e.V. liegen die Gesundheitsausgaben im Bereich der Medizinprodukte bei rund 21 Milliarden Euro. 10,5 Milliarden Euro entfallen auf Hilfsmittel, 9,5 Milliarden Euro auf den übrigen medizinischen Bedarf und 1 Milliarde Euro auf den Bereich der Verbandmittel, der unter Arzneimitteln erfasst wird. Der Ausgabenanteil der Gesetzlichen Krankenversicherung liegt bei etwa 14 Milliarden Euro. Der Gesamtumsatz der produzierenden Medizintechnikunternehmen in Deutschland ist im Jahr 2006 um 8,1 Prozent auf 15,9 Milliarden Euro angestiegen (14,8 Milliarden Euro im 2005). Der Inlandsumsatz kletterte um 3,2 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro (5,5 Milliarden Euro im 2006) und der  Exportumsatz ist um 11,1 Prozent auf 10,2 Milliarden Euro gestiegen (9,2 Milliarden Euro im 2005). Mit einem Welthandelsanteil von 14,6 Prozent liegt Deutschland beim Export hinter den USA (30,9 Prozent) an zweiter Stelle. Im Jahr 2006 betrug der der Weltmarkt für Medizintechnologien rund 200 Milliarden Euro. Mittlerweile wird der Weltmarkt auf rund 200 Milliarden Euro eingeschätzt. Der Markt in Europa liegt mit 60 Milliarden Euro inter den USA mit 85 Milliarden weltweit an zweiter Stelle. Mit rund 21 Milliarden Euro ist Deutschalnd als Einzelmarkt nach den USA und Japan auf der ganzen Welt der drittgrößte Markt für Medizintechnologie.

 

Perspektiven

Deutschland hat in den erfolgversprechenden Innovationsbereichen der Medizintechnologie aufgrund der vielen gut ausgebildeten Ärzte, Forscher und Ingenieure und durch den hohen Standard der klinischen Forschung, der Universitätskliniken und sonstigen Kompetenzzentren in der Medizintechnik, optimale Voraussetzungen um innovative Produkte und Verfahren marktreif werden zu lassen. Vorteile für Deutschland sind u.a. die kürzeren Zulassungszeiten und die kostengünstigere klinische Forschung. Denn in Deutschland belaufen sich die Kosten, um neue Idee für den Markt reif werden zu lassen, auf durchschnittlich 8 bis 10 Millionen Euro, während in den USA solche Kosten mit rund 80 Millionen Dollar deutlich höher liegen. Dagegen leidet die Medizintechnik in Deutschland unter starken Mängeln bei der Einführung von Innovationen in die Vergütungssysteme, so dass Erneurungen dann auch zeitnah den Patienten erreichen.

Die Ausgaben für Medizintechnologien in Deutschland steigen weiter unterdurchschnittlich. Die Prognose des jährlichen Wachstums bis 2010 liegt für Deutschland bei 4,1 Prozent. Die Kernländer der Europäischen Union liegen dagegen bei 5,4 Prozent und die USA sogar bei 6,6 Prozent. In den letzten Jahren sind jedoch bedeutende Fortschritte erzielt worden, um Medizintechnologien verstärkter in das Denken der Entscheider rücken zu lassen. Nach einer umfassenden Studie zur Medizintechnik, vom Bundeswirtschaftsministerium und Bundesforschungsministerium (im Jahr 2005 veröffentlicht), wird zunehmend deutlich, das Medizintechnologien nicht nur unter dem Kostenaspekt behandelt werden können, sondern als Zukunftschance für Deutschland begriffen werden müssen. Die meisten Parteien haben den Zweig „Medizintechnik“ in ihren Wahlprogrammen genannt. Das Gesundheitsministerium weißt regelmäßig auf die Innovationskraft der Medizintechnik hin. Durch den “Aktionsplan Medizintechnologie”, einen Teil der von der deutschen Bundesregierung verabschiedeten "High-Tech-Strategiem", sollen Innovationen der Branche besser gefördert werden.

Innovative Gesundheitsleistungen werden durch den ansteigenden Bedarf an medizinischer Versorgung einer alternden Gesellschaft und der zunehmend knapper werdenden Finanzmittel aus dem Solidarsystem erschwert. Bereits heute müssen Ärzte und Kliniken rationieren. Grundsätzlich sollen Gesundheitsleistungen, die Gesundheit erhalten oder Leben retten, solidarisch finanziert werden. Jedoch muss man bei Innovationen, welche die Lebensqualität der Menschen verbessern, die Einführung von Mehrkostenregelungen sowohl im ambulanten als auch stationären Sektor intensivieren.

(Quelle: Bundesverband Medizintechnologie e.V., u.a. Jahresbericht 2007/08, www.bvmed.de)



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