Der Pflegesektor
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Was bedeutet Pflege?
Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (International Council of Nurses ICN) definiert Pflege wie folgt: „Pflege (professionelle Pflege durch einen Altenpfleger, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger) umfasst die eigenverantwortliche Versorgung und Betreuung, allein oder in Kooperation mit anderen Berufsangehörigen, von Menschen aller Altersgruppen, von Familien oder Lebensgemeinschaften, sowie von Gruppen und sozialen Gemeinschaften, ob krank oder gesund, in allen Lebenssituationen (Settings). Pflege schließt die Förderung der Gesundheit, Verhütung von Krankheiten und die Versorgung und Betreuung kranker, behinderter und sterbender Menschen ein. Weitere Schlüsselaufgaben der Pflege sind Wahrnehmungen der Interessen und Bedürfnisse (Advocacy), Förderung einer sicheren Umgebung, Forschung, Mitwirkung in der Gestaltung der Gesundheitspolitik, sowie im Management des Gesundheitswesens und in der Bildung“.(Quelle: Gesundheitsberichterstattung des Bundes, gbe-bund.de)
Umsatz
Im Jahr 2007 hat der Pflegesektor in Deutschland einen Umsatz von etwa 25 Milliarden Euro erwirtschaftet. Laut Experteneinschätzung könnte bis zum Jahr 2050 das Marktvolumen auf über 85 Milliarden Euro wachsen. Steigende Branchenumsätze sollten eigentlich ein Grund zur Freude sein. Doch in der Pflegebranche sind steigende Umsätze oft unerwünscht, weil zahlreiche Pflegeleistungen durch Sozialbeiträge finanziert werden. Steigende Umätze implizieren steigende Lohnzusatzkosten. Die hohen Sozialabgaben ergeben sich direkt aus den erheblichen Gesundheits- und Pflegeausgaben. Vielmehr sind dafür das derzeitige Finanzierungssystem, das auf Umlagen basiert, sowie die zunehmend alternde und pflegebedürftige Gesellschaft verantwortlich. Die Pflegeversicherung trägt 60 Prozent und Sozialhilfeträger 9 Prozent der Pflegeausgaben. Den Rest, 31 Prozent, müssen die privaten Haushalte aufbringen.
Beschäftigung
Im Jahr 2007 waren in deutschen Pflegesektor rund 500.000 Menschen beschäftigt. Von 1999 bis 2005 hat ist die Beschäftigtenzahl im Pflegebereich um rund 22 Prozent angestiegen. Die Zahl der Beschäftigten ist im Jahr 2007 erneut um 6 Prozent angestiegen. Die wirtschaftliche Bedeutung des Pflegesektors wird zukünftig eindeutiger zunehmen. Ein Grund dafür ist u.a. die dramatische Veränderung der Altersstruktur der Bevölkerung. Die Zahl Menschen, die älter als 60 Jahre sind, wird bereits bis zum Jahr 2030 um rund acht Millionen zunehmen. Dann wird jeder dritte Burger älter als 60 Jahre sein. Im Jahr 2005 war jeder vierte Burger älter als 60 Jahre. Die Altersgruppe der Menschen die über 80 Jahre alt sind, eine Gruppe die in der Regel besonders pflegebedürftig ist, wird sich bis zum Jahr 2050 fast verdreifachen. Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen könnte bis auf 4 Millionen steigen. Gleichzeitig könnten durch den Trend zur stationären Pflege gleichzeitig die Pflegeheimplätze auf bis zu 2 Millionen zunehmen. Infolgedessen könnte sich nach Branchenprognosen im Pflegesektor bis zu Jahr 2005 auch die Zahl der Beschäftigten auf 1,6 Millionen verdreifachen. Der Pflegesektor wird in jedem Falle auch in Zukunft ein Jobmotor des Wirtschaftsstandortes Deutschland bleiben.
(Quelle: Wertschöpfungs- und Beschäftigungspotenziale auf dem Pflegemarkt in Deutschland bis 2050, www.iwkoeln.de)
Pflegesektor: Ein Wachstumsmarkt
Der Pflegemarkt verfügt über stark regional bzw. höchstens bundesweit ausgerichtete Wettbewerbsstrukturen. In Anbetracht der demographischen Entwicklung wird der Bedarf an Pflegedienstleistungen zukünftig drastisch zunehmen. Dadurch werden ambulante Pflegedienste und Pflegeheime ein enormes Marktwachstum erleben. Die Bedeutung von zielgruppenspezifischen und integrierten Pflegeangeboten wird steigen. Durch das Wachstum des Pflegemarktes bzw. die demographische Entwicklung wird auch die Relevanz der Themen Wohnungswirtschaft und Städtebau zunehmen. In Deutschland gibt es 2,13 Millionen Pflegebedürftige Menschen. Davon werden 1,45 Millionen zu Hause versorgt, obwohl das Ziel der eingeführten Pflegeversicherung vor mehr als 10 Jahren „ambulant vor stationär“ war, um insbesondere die ambulanten Versorgungsstrukturen in Deutschland zu stärken. Etwa eine Million wird noch durch Angehörige und rund 500.000 von den existierenden 11.000 ambulanten Pflegediensten betreut. Wobei ein Trend zur Betreuung durch ambulante Pflegedienste zu erkennen ist. Weitere 680.000 Pflegebedürftige werden in Pflegeheimen betreut. Pflegeheime haben in den letzten Jahren einen eindeutigen Zulauf erlebt. Seit 1999 ist die Zahl Menschen, die in Pflegeheimen betreuet werden, um 18 Prozent gestiegen. In Deutschland gibt es 10.424 Pflegeheime, davon sind 3974 mit privaten Trägern, 5748 mit freigemeinnützigen Trägern und 702 mit öffentlichen Trägern.
Laut Experten Einschätzung sind 250 000 Plätze modernisierungsbedürftig und in den nächsten 15 Jahren weitere 170.000 Betten notwendig. Die Gründe für eine solche Annahme sind unterschiedlich:
- Der Anteil der Einpersonen-Haushalte steigt
- Die Scheidungsraten bleiben hoch
- Die zunehmende Erwerbstätigkeit der Frauen wird künftig die Pflegendenzahl reduzieren
- Mangel an seniorenfreundlichem Wohnraum
- Dementielle Veränderungen erschweren die Betreuung von Pflegebedürftigen zu Hause
- Patienten werden von den Krankenhäusern immer mehr früher entlassen
Marktbereinigung und neue Wohnformen
Über 50 Prozent der Pflegeheime versorgen und betreuen weniger als 60 Pflegebedürftige. Einrichtungen mit derartigen Größenordnungen drohen u.a. aufgrund der konstant steigenden Qualitätsansprüche, des zunehmenden Kostendrucks in der Zukunft Insolvenzgefahr. Generell wird die Bedeutung aller Typen von ambulanten Betreuungsdienstleistungen und Seniorenimmobilien steigen können, weil jede einzelne Wohnform abhängig von der Lebensphase und Gesundheitszustand des Pflegebedürftigen eine berechtigte Funktion hat. Aus diesem Grund werden für Pflegebedürftige und Angehörige neben den klassischen Pflegeheimen auch weitere Wohnformen wie Haus- und Wohngemeinschaften, Betreutes Wohnen und Seniorenresidenzen zunehmend interessanter. Dennoch bleibt es für pflegebedürftige Senioren so lange ein schweres Unterfangen, in solchen Einrichtungen umzuziehen, wie man zu Hause noch behelfsmäßig zurechtkommt.
Barriere freies Wohnen und zielgruppenspezifische Pflegeangebote
Seit einigen Jahren gewinnt das Thema „Barrierefreies Wohnen“, sowohl bezüglich der Ausstattung von einzelnen individuellen Wohnungen, als auch der Einrichtung von ganzen Wohnvierteln, zunehmend an Bedeutung. Zudem wird von der städtebaulichen Planung das generationenübergreifende Wohnen verstärkt berücksichtigt, welches Hilfs- und Betreuungsangebote von Anfang an integriert. Generationenübergreifende Wohnformen sichern die Selbständigkeit von älteren Menschen und begünstigen die Nachbarschaftshilfe zwischen jüngerer und älterer Generation. Generell ist die Kooperation zwischen der Wohnungswirtschaft und den diversen Betreuungsorganisationen besser geworden. Beispiele dafür sind u.a. der Umbau von Siedlungshäusern, die vom Leerstand bedroht sind, in wohngemeinschaftstaugliche Großwohnungen mit Einzel- und Gemeinschaftsräumen, sowie Wohngemeinschaften für demenzkranke Menschen, die sehr gut mit ambulanten Pflegediensten verknüpft sind. Die Pflegeangebote müssen ebenfalls stärker individuell ausgerichtet werden. Aspekte wie Herkunftsländer oder kulturelle Hintergründe der Bewohner müssen mehr berücksichtigt werden. Zudem werden die Seniorenbedürfnisse nach Maßnahmen, die Gesundheit erhalten und fördern zunehmend entdeckt. In Zukunft werden insbesondere zielgruppenspezifische und bedarfsorientierte Angebote in Zusammenhang mit integrierten Versorgungsformen (Akut, Rehabilitation und Pflege) erfolgreich sein.
(Quelle: „Die Gesundheitsbranche: Dynamisches Wachstum im Spannungsfeld von Innovation und Intervention“, prognos.com)




