Was ist Gesundheitswirtschaft?
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Das Wort Gesundheitswirtschaft ist, etwas weit gefasst, ein Oberbegriff für alle Wirtschaftszweige, die sich in einer bestimmten Form mit Gesundheit beschäftigen. Im Jahr 2005 ist bei der 1. Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft als Definition Folgendes festgelegt worden: "Gesundheitswirtschaft umfasst die Erstellung und Vermarktung von Gütern und Dienstleistungen, die der Bewahrung und Wiederherstellung von Gesundheit dienen.“ (Quelle: konferenz-gesundheitswirtschaft.de).
Welche Bereiche umfasst die Gesundheitswirtschaft?
Die Gesundheitsbranche ist eine der innovativsten und beschäftigungsintensivsten Wirtschaftszweige Deutschlands und aufgrund der demografischen Entwicklung einer der Wachstumsmotoren der Volkswirtschaft. Daher ist es falsch, das Gesundheitswesen, wie noch vor einigen Jahren, lediglich unter Kostenaspekten zu betrachten. Die Gesundheitswirtschaft umfasst das Gesundheitswesen im engeren Sinne, seine Vorleistungs- und Zulieferindustrien, sowie viele Randsektoren, welche auch als "Zweiter Gesundheitsmarkt" definiert werden. Der Kernbereich der Gesundheitswirtschaft ist die stationäre und ambulante Versorgung und die Pflege. Dieser umfasst Krankenhäuser, Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen, Arzt- und Zahnarztpraxen, die Praxen von nichtärztlichen medizinischen Berufe, Apotheken, sowie stationäre, teilstationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen.
Ein weiterer wichtiger Bereich der Gesundheitswirtschaft sind Vorleistungs- und Zulieferindustrie, welche die Pharmaindustrie, die Medizin- und Gerontotechnik, die Bio- und Gentechnologie, das Gesundheitshandwerk, die Beratung und den Handel mit Gesundheitsprodukten umfasst. Diese liefern ihre Produkte und Dienstleistungen direkt in den Kernbereich der stationären und ambulanten Versorgung.
Der "Zweite Gesundheitsmarkt" spielt auch eine entscheidende Rolle in Hinblick auf die Wertschöpfung der Gesundheitsbranche. Dazu gehören u.a. Gesundheitstourismus, Wellnessbranche, Alternativmedizin und Ernährungssektor. Im zweiten Markt steckt ein großes Wachstumspotential. Die Gründe: Zum einen wird zukünftig der Staat aus Kostengründen bestimmte medizinische und Pflegeleistungen, welche von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert werden, nicht mehr wie bis heute gewährleisten, zum anderen werden Patienten immer mehr zu eigenverantwortlichen und gesundheitsbewussten Kunden, die selbst Leistungsauswahl und somit die Nachfrage bestimmen.
Gesundheitsausgaben 2005 nach Leistungsarten in Mio. Euro
| Leistungsart | 2005 | 2006 |
| Gesundheitsausgaben | 239.328 | 245.003 |
| Investitionen | 9.155 | 8.981 |
| laufende Gesundheitsausgaben | 230.173 | 236.022 |
| Präventionen/Gesundheitsschutz | 8.941 | 9.330 |
| Ärztliche Leistungen | 64.398 | 66.445 |
| Pflegerische/therapeutsiche Leistungen | 57.517 | 58.816 |
| Unterkunft und Verpflegung | 17.721 | 18.499 |
| Waren | 64.528 | 65.830 |
| Transporte | 3.962 | 4.047 |
| Verwaltungsleistungen | 13.105 | 13.055 |
(Quelle: Statistisches Bundesamt, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Stand 05.05.2008, Erscheinungsort: www.bmwi.de)
Beschäftigte in Einrichtungen, Jahr 2005 (in 1.000)
| 2005 | 2006 | |
| Einrichtungen des Gesundheitswesens | 4.264 | 4.306 |
| Gesundheitsschutz | 41 | 41 |
| Ambulante Einrichtungen | 1.792 | 1.805 |
| Arztpraxen | 669 | 668 |
| Zahnarztpraxen | 338 | 330 |
| Praxen sonstiger medizinischer Berufe | 205 | 224 |
| Apotheken | 169 | 170 |
| Gesundheitshandwerk/ -einzelhandel | 167 | 163 |
| Ambulante Pflege | 214 | 215 |
| Sonstige ambulante Einrichungen | 30 | 35 |
| Stationäre/teilstationäre Einrichtungen | 1.773 | 1.790 |
| Krankenhäuser | 1.071 | 1.072 |
| Vorsorge-/Rehabilitationseinrichtungen | 156 | 157 |
| Stationäre/teilstationäre Pflege | 546 | 561 |
| Rettungsdienste | 47 | 47 |
| Verwaltung | 206 | 208 |
| Sonstige Einrichtungen | 106 | 111 |
| Vorleistungsindustrien | 299 | 303 |
| Pharmazeutische Industrie | 113 | 114 |
| Medizintechnische und augenoptische Industrie | 111 | 112 |
| Medizintechnische Laboratorien und Großhandel | 75 | 76 |
(Quelle: Statistische Bundesamt, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Erscheinungsort: www.bmwi.de)
Entwicklung der Gesundheitsausgaben und Beschäftigtenzahl
Während die Gesundheitsausgaben sich 1992 noch bei rund 58 Milliarden Euro beliefen, lagen sie im Jahr 2006 bei 245 Milliarden Euro. Ebenso positiv haben sich die Beschäftigungszahlen entwickelt. Die Zahl der Beschäftigten im klassischen Gesundheitswesen ist von rund 4,1 Millionen im Jahr 2001 auf etwa 4,3 Millionen im Jahr 2006 angestiegen. In der gesamten Gesundheitswirtschaft geht man von einer Beschäftigung von 4,9 Millionen Menschen aus. (Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, www.bmwi.de)
Ein Markt im Umbruch
Die Gesundheitswirtschaft wird auch in Zukunft zu den bedeutendsten Märkten in Deutschland gehören. Dennoch wird sich die Schere zwischen Kosten und Nutzen zunehmend vergrößern. Eine konsequente Reformpolitik, die den Wettbewerb verstärkt fordert und fördert ist unabdingbar. Denn der Gesundheitsmarkt ist ein „unbeweglicher“ Markt, der aus komplexen Strukturen, einem Gestrüpp von Gesetzen und Rechtsvorschriften besteht. Das Gesundheitssystem ist mit Reglementierungen überfrachtet. Unter den bisherigen Voraussetzungen wird der Gesundheitsmarkt den wachsenden Anforderungen langfristig nicht gerecht werden.
Reformdruck wegen Kosten-Nutzen-Diskrepanz
Fehlende Effizienz und zunehmender Kostendruck können nur durch einschlägige Reformen verändert werden, die das Thema mehr Wettbewerb als Grundsäule haben. Öffentliche und gemeinnützige Träger beherrschen den Krankenhaus- und Pflegewesenmarkt. Deren Marktanteil überschreitet 70 Prozent. Nur im Bereich Rehabilitation überwiegen private Träger mit einem Anteil von 61 Prozent. Das dynamische Wachstum der Ausgaben für Gesundheit ist mit außergewöhnlichen Beitragssteigerungen verbunden gewesen. Dadurch ist die Kostenbremsung im Zentrum der Gesundheitspolitik geraten. Diverse Handlungen, um Lohnnebenkosten und staatliche Ausgaben zu senken bzw. zu mindern, haben die Dynamik dennoch nur kurzweilig abgebremst. Es sieht stark danach aus, dass sich die Wirtschaftsprobleme im Gesundheitswesen noch verschlimmern werden. Die Medizin steigert andauernd die Leistungsfähigkeit und verlängert somit die Lebenserwartung. Parallel versorgt der demografische Wandel die Gesellschaft mit immer mehr älteren Patienten. Der Rückgang der Erwerbstätigenzahl zehrt die Einnahmegrundlage der gesetzlichen Krankenversicherung aus. Es findet keine übereinstimmende Entwicklung des medizinischer Fortschrittes, der Leistungsanforderungen und der Finanzierungsmöglichkeiten statt.
Es ist undenkbar, zukünftig Einrichtungen des Gesundheitswesens ohne objektive, strukturierte und effiziente betriebswirtschaftliche Kontrollelemente zu betreiben. Der Staat wird sich immer mehr vom Markt zurückziehen müssen und nur für die Rahmenvorgaben verantwortlich sein. Privates Kapital wird eine immer wichtigere Rolle auf dem Gesundheitsmarkt haben. Die Privatisierungswelle, die in einigen Sektore wie Akutkrankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Rehakliniken bereits begonnen hat, wird sich in den kommenden Jahren erheblich intensivieren.





